Bei Parentifizierung im Erwachsenenalter und ihren Phänomenen muss man sehr genau hinsehen. Da gibt es einmal Hilfe, die Kinder ihren Eltern geben, wenn diese ein hohes Alter erreicht haben. In gesundem Maße, also mit respektvoller Hilfsbereitschaft, liegt keine Parentifizierung vor. Anders sieht es aus, wenn eine Parentifizierung aus der Kindheit oder Jugend ins Erwachsenenalter übernommen wird.

Parentifizierung im Erwachsenenalter

Parentifizierung im Erwachsenenalter kann wie ein schleichendes, lähmendes Gift auf die eigene Entwicklung wirken.

Nehmen wir an, ein Kind hat von seinem Vater den unausgesprochenen Auftrag erhalten, nicht erfolgreicher zu sein als der Vater. Damit kann ein Vater sicherstellen, dass er seine Funktion als Ratgeber behält, auch wenn der Sohn schon längst selbst im Leben und im Beruf steht.

Ähnlich kann es sich verhalten, wenn eine Mutter ihrer Tochter den impliziten Auftrag erteilt, in den Beziehungen zu Männern nicht besser zu sein als sie selbst: um die Mutter nicht zu übertrumpfen, um ihr das eigene Versagen nicht überdeutlich zu zeigen.

Gründe gibt es viele, die Auswirkungen der Parentifizierung im Erwachsenenalter sind deshalb so gefährlich, weil die Rollenumkehr über viele Jahre hinweg zu einem Normalzustand erklärt wurde.

Wenn hier von Gründen die Rede ist, dann ist damit nicht eine unbedingt negative Absicht gemeint. In der Regel handeln Erwachsene, die ihre Kinder zu ihren Eltern erklären, ihrerseits aus einer Situation der Überforderung heraus. Wären sie nicht überfordert, hätten sie auf dem Schirm, dass eine Erwachsenenrolle für ein Kind oder einen Jugendlichen nicht angemessen ist.

Stille Übereinkunft zwischen Erwachsenen und Kindern

Man hat sich im Familiensystem darauf geeinigt, wer welche Rolle hat. Wer aus seiner Rolle aussteigt, besonders seien hier die Kinder zu erwähnen, hat meistens mit harten Sanktionen zu kämpfen. Zu den Bestrafungen, die durch einseitige Auflösungsversuche einer Parentifizierung durch das (erwachsene) Kind drohen, können zählen:

  • Liebesentzug, der vom Elternteil ausgeht
  • Abwertung des Kindes für seine „Herzlosigkeit“ und den „Egoismus“
  • Aufbau eines schlechten Gewissens, was dazu führen kann, dass der alte Platz wieder eingenommen wird

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