Symbiotische Beziehung (vgl. Symbiosen in der Biologie: (griech. σύν, zusammen und βίος, Leben, also Zusammen-Leben) beschreibt ein Beziehungsphänomen. Mindestens zwei  Personen haben meist stillschweigend eine Übereinkunft geschlossen. Während sich eine Seite in einem Beziehungssystem hilfsbedürftig zeigt, reagiert eine andere mit Zuwendung.

Symbiotische Beziehung – Pseudo-Nutzen

In einer parentifizierten Beziehung fühlt sich über einen langen Zeitraum mindestens für eine Seite im Beziehungssystem vieles sinnvoll und richtig an. Der Elternteil erfährt intensive Zuwendung – oft mehr als vom eigenen Beziehungspartner. Liebesbedürfnisse und Bindunsgssehnsucht scheinen sich zumindest für eine zeitlang zu erfüllen. Die Symbiose wird zur Pseudo-Symbiose.

Die Nabelschnur zur Mutter wurde zwar durchtrennt, doch eine neue Versorgungsleitung wurde aufgebaut. Diesmal soll das Kind die Mutter (oder im übertragenen Sinn den Vater) mit – seelischer – Nahrung versorgen. Solche Verbindungen können so stark sein, das sie in Ausbeutung münden, wobei Selbstausbeutung einen erheblichen Anteil an der Ausbeutung haben kann.

Risiken der Symbiose in der Rollenumkehr

Auch ein parentifiziertes Kind kann für eine gewisse Zeit eine Aufwertung verspüren. Mit einem Mal ist es gefragt, auf einer Stufe mit den Erwachsenen, womöglich ein Geheimnisträger.

Die symbiotische Beziehung durch Rollenumkehr ist jedoch mit Risiken behaftet. Die Autonomieentwicklung des Kindes wird in Frage gestellt, weil es im Sinne des unausgesprochenen Auftrags bzw. Vertrags zwischen Elternteil und Kind kaum Autonomiebestrebungen nachgehen kann.

Auf eine Idealisierungsphase können Ohnmachtserfahrungen folgen. Denn so sehr sich das Kind in der ihm zugefallenen Erwachsenenrolle auch bemüht, so schnell wird es erkennen müssen, dass eine dergestalt symbiotisch wirkende Beziehung tatsächlich eine Abhängigkeitsbeziehung ist. Je länger ein Beziehungssystem auf Abhängigkeit basiert, desto stärker wird die Verschmelzung von Geben und Nehmen, von unausgesprochenen Erwartungen und stillschweigend erfüllten Aufträgen.

Symbiotische Verschmelzung oft nur über Familientherapie aufzulösen

Systeme sind autopoietisch, d.h. sie erschaffen und stabilisieren sich von selbst. Autopoietisch leitet sich ab von Autopoiesis (Autopoiese) (griech. αὐτός „selbst“ und ποιεῖν „schaffen, bauen“). Der Begriff ist wichtig, um die Eigendynamik der Symbiose zu verstehen, denn hier sind die Selbsterschaffung und Selbsterhaltung des symbiotischen Systems entscheidend.

Irgenwann wurden zwischen einem Elternteil (oder beiden Eltern) und einem Kind Signale ausgetauscht, die auf beiden Seiten eine Resonanz (Passung) hervorgerufen haben. Unbewusst findet ein Abgleich statt, und es erscheint passend, sich so zu verhalten, wie man sich verhält.

Ebenso unbewusst laufen dann die Stabilisierungen der Rollen ab. Die Rollenumkehr dauert manchmal nur wenige Minuten – und sie kann sich über ein gesamtes Erwachsenenleben stabilisieren. Die meisten Interaktionen laufen unbewusst ab. Bewusst erlebt werden irgendwann die stellvertretenden Phänomene, die mit einer pseudo-symbiotischen Beziehung einhergehen können:

  • Streit zwischen den Beziehungspartnern in der Parentisierung als missglückter Abgrenzungsversuch
  • psychosomatische Beschwerden auf beiden Seiten
  • Bindungsängste
  • Bindungsunfähigkeit
  • Erfolglose Versuche der Loslösung – Alkoholprobleme

Die Liste der Störungsbilder, mit denen Menschen aus Pseudo-Symbiosen zu Psychotherapeuten gehen, ist lang.

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