Sündenbock für die Eltern sein
„Deinetwegen musste ich deinen Vater heiraten.“ „Wir sind nur wegen der Kinder zusammengeblieben.“ „Ich habe meine Karriere für die Kinder geopfert.“ Das sind Sätze, die man immer wieder hört. Oft denkt man sich nichts dabei. Doch dann kommt die Fassungslosigkeit – und irgendwann kommt die Empörung. Bis die Wut da ist und später die Trauer.
Wenn die Kinder als Alibi für eigene Fehlentscheidungen herhalten sollen
Natürlich muss eine Frau nicht den leiblichen Vater ihres Kindes heiraten. Unternimmt sie es doch und geht die Beziehung schief, dann kann das Kind als „Verursacher der Ehe“ ein willkommener Sündenbock sein. Ohne das Kind keine Ehe. So die vermeintliche Logik. Doch dahinter steckt eine andere Wahrheit.
Die Existenz eines Menschen als „Fehler“ – eine brutale Zuschreibung, die auf einem folgenschweren Missverständnis beruht
Ohne die Beziehung, ohne mindestens eine gemeinsame Nacht (oder gemeinsame fünf Minuten) keine Schwangerschaft und kein Kind. Ganz gleich, wie jung, wie verliebt oder wie betrunken zwei Menschen gewesen sein wollen: Mit der Entscheidung für das Kind ist die Verantwortung für das Kind in der Welt.
Das Kind könnte zur Adoption freigegeben werden.
Keine junge Mutter „muss“ den Kindsvater heiraten
Heiraten zwei Menschen, so ist das ihre Verantwortung.
Deshalb darf ein Kind niemals als Rechtfertigung für eine abgebrochene Bildung (Studium, Ausbildung usw.) oder Karriere verwendet werden.
Mütter und Väter können natürlich davon berichten, dass sie sich bewusst für die Anwesenheit und volle Hingabe zum Kind oder die Kinder entschieden haben. Dann ist das aber eine erwachsene Entscheidung für eine Rolle, verbunden mit der klaren Trennung der Existenz des Kindes von dem Bestehen einer Notwendigkeit des Verzicht auf eigene Entwicklung.
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